Mitteldeutschen Weinbautag am 30. Januar 2010
Mit erfahrener Winzerhand gegen Wetterkapriolen

 

Der Jahrgang 2009 brachte es gerade einmal auf ca. 2,25 Millionen Liter und erreichte so knapp die Hälfte der Vorjahresmenge. „Dennoch wird der Saale-Unstrut-Wein beim Kunden präsent bleiben. Von den mengenmäßig großen Lesen der letzten Jahre können einige Winzer noch profitieren.“, ist Weinbaupräsident Siegfried Boy überzeugt. Lag die Menge auch weit unter dem langjährigen Mittel an Saale und Unstrut, überstiegen mit durchschnittlich 81 Oechsle-Grade die Mostgewichte deutlich die Vergleichswerte (2008: 74 Grad Oechsle). Das verspricht gute Qualitäten im Glas. „Die brauchen wir auch“, meint Boy, „weil das Interesse an unseren Naturprodukten in den vergangenen Jahren weiter gewachsen ist und immer neue Freunde den Saale-Unstrut-Wein für sich entdecken.“ Eine gute Gelegenheit dazu sei das Winzerfest in Freyburg, das vom Weinbauverband getragen und organisiert werde. Das hat sich als größte derartige Veranstaltung im Osten Deutschlands längst einen nationalen Namen gemacht. Es stoße die kleine Wein-, Sekt und Jahnstadt aber auch an ihre Grenzen. „Hier ist unser gemeinsamer Wille gefragt, diesem wichtigen Wochenende im September seine Unverwechselbarkeit zu erhalten. Das Winzerfest in Freyburg ist ein wertvolle Marke, die wir ebenso hegen und pflegen müssen wie unseren Wein.“ Darüber hinaus freut sich der Weinbauverband, einige neue Mitglieder in seiner Mitte zu begrüßen. Immerhin traten dem Verein im letzten Jahr 15 Weingüter, Personen und gastronomische Einrichtungen bei. Darunter allein fünf Weinerzeuger aus Thüringen und vier aus dem Bereich Mansfelder Seen. Damit sind fast 90 Prozent der Anbaufläche durch Weinbauverbandsmitglieder abgedeckt. 

Als Gast des Weinbauverbandes konnte Landwirtschaftsminister Dr. Onko Aeikens auf die zügige Verteilung neuer Rebrechte verweisen. Von den 31 Hektar, die das Land Anfang 2008 zugesprochen bekam, sei ein gutes Drittel bereits an 40 Antragsteller vergeben. „Darunter sind immerhin auch 2,6 Hektar in sehr arbeitsaufwändigen Steil- und Terrassenlagen, die aber die Landschaft an Saale und Unstrut so unverwechselbar machen“, hob der Minister hervor. Zudem haben sich so zwei Winzer eine Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz geschaffen. 

Aus den Händen der Gebietsweinkönigin Elvira Zahn erhielt Frank Nowak aus Halle den diesjährigen Pressepreis des Weinbauverbandes. Damit wird ein Fernseh-Journalist des Mitteldeutschen Rundfunks geehrt, der mit „Feingefühl und Präzision“ das Thema Wein vor allem im MDR-Ländermagazin „Sachsen-Anhalt heute“ widerspiegelt.

Frost im Januar, ein verregneter Juni, ein schwüler Juli und manchenorts Hagelschauer aus heiterem Himmel bescherte den Saale-Unstrut-Winzern ein turbulentes Jahr. Bei der Analyse zeigte sich, dass hauptsächlich die Sorten Müller-Thurgau und Bacchus betroffen waren, aber auch frosthärtere Sorten wie Kerner, Weißburgunder, Grauburgunder sowie Dornfelder und Portugieser haben deutliche Blessuren davongetragen. Besonders hart traf es wieder einmal jene Pflanzungen, die in Niederungen und an den Böschungsfüßen wie Frostmagnete wirkten. Wie Boy ausführte, hätten einige Winzer daraus bereits Lehren gezogen und diese schwierigen Bereiche aufgegeben. Sie könnten dabei von Fördermitteln profitieren.

Der Weinbaupräsident zeigte sich generell zufrieden mit den aktuellen Vergaberichtlinien der Fördergelder. Die unterstützen in Sachsen-Anhalt die Umstrukturierung von Rebanlagen und die Anschaffung von Holzfässern. Landwirtschaftsminister Dr. Onko Aeikens verwies auf die gute Nachfrage entsprechender Förderprogramme. So wurde der Steillagenweinbau allein in den letzten beiden Jahren mit 206.000 Euro unterstützt, davon kam ein Viertel von der Landeskasse und drei Viertel steuerte Brüssel bei. Das hätte Investitionen von über 400.000 Euro ermöglicht. Es wurden zwei gebietstypische Weinbergshütten instandgesetzt, 19 Winzer haben Flächen in Steil- und Terrassenlagen aufgerebt und bei 23 Antragstellern konnten Weinbergsmauern, Treppenaufgänge und Sicherungsanlagen erneuert werden. 

Bereits seit August 2009 gilt europaweit ein neues Weinbezeichnungsrecht. Seitdem gibt es beispielsweise die Weinkategorien „ohne geografische Angabe“ und „mit geografischer Angabe“. Nun sind Winzer und Weinbauverband gefragt, diesen neuen Kategorien eine regionale Bedeutung zu geben. Dazu seien die Winzer der Region bereit, betonte Siegfried Boy.

Hintergrund:
Der Weinbauverband zählt derzeit 246 Mitglieder, die über 88 Prozent der Rebfläche des Anbaugebiets repräsentieren. Dazu gehören über 40 Weingüter und fünf Agrargenossenschaften. Die freiwillige Gebietsweinwerbungsabgabe wird auf 93 Prozent der gesamten Rebfläche von den hiesigen Weingütern, dem Landesweingut Kloster Pforta und insbesondere von der Winzervereinigung Freyburg bezahlt. Die Weinregion Saale-Unstrut ist das nördlichste deutsche Qualitätsanbaugebiet und erstreckt sich über die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Mit seinen etwa 685 Hektar bestockte Fläche rangiert es nach seiner Größe im hinteren Drittel der 13 deutschen Weinbaugebiete.

Komplette Pressemappe => hier