|
Generalversammlung der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut
Dass die jüngste Ernte mit rund 1,6 Millionen Litern deutlich geringer ausgefallen ist als die Vorjahresernten, sehe ich als Herausforderung, denn die Nachfrage nach unseren Weinen steigt, richtet der Vorstandsvorsitzende der Winzervereinigung Freyburg, Siegfried Boy, auf der Generalversammlung den Blick nach vorn. Die rund 500 Mitglieder der Winzergenossenschaft sehen ihre Strategie durch die Bilanz des Geschäftsjahres 2008/2009 bestätigt. Die Winzervereinigung, die im Dezember ihr 75-jähriges Bestehen feiern konnte, baute ihre bundesweite Präsenz weiter aus. So gibt es in Deutschland bereits an die 500 Märkte, die mehr als eine Palette Wein (450 Flaschen) der Winzervereinigung Freyburg pro Jahr verkaufen. Die überwiegend trockenen Weine der Winzervereinigung haben sich in den Regionen von Hannover über Duisburg und Kassel bis nach Unterhaching einen festen Platz im Lebensmitteleinzelhandel erworben. In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Berlin stehen die Weine ohnehin nie lange im Regal. Angesichts der geringeren Ernte von 2009 stehen die vereinten Winzer vor der schweren, aber lösbaren Aufgabe, die guten Kundenbeziehungen weiter zu pflegen, um die geweckten Bedürfnisse in der versprochenen Qualität zu befriedigen. Eine Qualität, die messbar ist, wie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen belegen. Allein bei der Bundesweinprämierung wurden fünf Goldmedaillen für die Tropfen aus der Genossenschaft vergeben. Gerade erst hat eine Weißburgunder Spätlese 2008 bei der Berliner Wein Trophy eine bislang nur selten an Saale-Unstrut-Weine vergebene Goldmedaille errungen. Das Qualitätsversprechen hält auch der aktuelle Jahrgang 2009, der bereits seit Januar in der genossenschaftseigenen Weingalerie angeboten wird und nun auch in diesen Tagen die Regale in den Supermärkten erreichen wird. Boy verweist in seiner Rede auch auf die Folgen des langen Winters der letzten Monate. Zwar haben die Reben nach gegenwärtiger Einschätzung diese kalte Jahreszeit einigermaßen überstanden, die Verlierer seien aber die Trockenmauern, die in den Steillagen durch den tiefen Frost und die Schneelasten arg lädiert wurden. Deshalb appelliert der Vorstandsvorsitzende an die Landespolitik, hier durch unbürokratische Ausweitung der Fördermittelkriterien die Sanierung der Landschaft prägenden Trockenmauern zu unterstützen. Die auf der Generalversammlung vorgestellten Zahlen beweisen, dass die harte Arbeit der Winzer und deren hohe Qualitätsansprüche von Erfolg gekrönt wurden. Der Jahrgang 2008 schlug mit einer Erntemenge von 3,2 Millionen Litern zu Buche. Allerdings sei die Kapazität nun ausgereizt, künftigen Mengensteigerungen seien nur durch Flächenzugänge zu erreichen, macht der Vorstandsvorsitzende deutlich: Die Genossenschaft steht für neue Mitglieder offen. Von September 2008 bis August 2009 stiegen die abgesetzten Weinliter leicht auf 2,57 Millionen. Diese Menge setzt sich aus verschiedenen Jahrgängen zusammen, so wird ein großer Teil des Rotweines längere Zeit gelagert, bevor er in den Verkauf kommt. Die Steigerung betraf den hochwertigen Flaschenabsatz, hier gibt es ein Plus von 330.000 Flaschen. Der Umsatz konnte in den letzten zwei Jahren um zwei Millionen Euro auf 8,8 Millionen Euro zulegen. Wichtiger Indikator einer gesunden Wirtschaftslage ist ein deutlich gestiegenes Traubengeld, das an die Mitgliedswinzer ausgezahlt wurde. Die Anstrengungen unserer Winzer, gerade auch in den Steillagen, die immerhin 20 Prozent unserer Anbaufläche bedecken, machen sich so für alle bezahlt. Boy verweist zudem auf das stringente Qualitätsmanagement, ohne das ein moderner Betrieb dieser Größe keine Chance hätte im rauen Wettbewerb auf dem europäischen Weinmarkt. Dem hätten auch viele Investitionen gegolten, allein in diesem Wirtschaftsjahr sei über eine Million Euro in die Erneuerung und Erweiterung der Kelleranlagen geflossen. Darunter auch in neue Holzfässer, die mit Unterstützung aus EU-Fonds angeschafft werden konnten. Und eine neue moderne Lagerhalle, deren markanter architektonischer Auftritt der Winzervereinigung in Freyburg ein neues Gesicht gegeben hat. Für das laufende Geschäftsjahr stehen wiederum über 500.000 Euro für Investitionen bereit. Neben der guten Resonanz aus Supermärkten und von Handelspartnern zeigt auch die gestiegene Zahl der Bestellungen über die eigene Homepage, dass die Winzervereinigung national immer stärker wahrgenommen wird. Die unzähligen Reisen zu Messen und anderen Veranstaltungen tragen damit Früchte. Schließlich ist die Winzervereinigung jährlich auf fast einhundert Veranstaltungen präsent, wobei sich der Radius meist über Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstreckt. Als nächster Termin steht die internationale Weinfachmesse ProWein vom 21. bis 23. März 2010 in Düsseldorf auf dem Programm. Mit Frostschäden in einigen Lagen rund um Freyburg hatte das letzte Weinjahr eher kritisch für die Winzervereinigung begonnen. So offenbarte das Frühjahr 2009 Ausfälle bei Müller-Thurgau und Bacchus. Der größte Weinproduzent an Saale und Unstrut war dabei regional sehr unterschiedlich von den Frostschäden betroffen. Während es in den nördlichen Lagen in Höhnstedt kaum Ausfälle zu beklagen gab, war in Klosterhäseler kaum etwas zu retten. Aufgrund unzähliger Wetterkapriolen auch in den Folgemonaten konnte mit rund 1,6 Millionen Litern dann auch deutlich weniger Rebensaft in die Tanks gefüllt werden als in den Vorjahren. Doch damit müsse man nun leben, kommentiert der Vorstandsvorsitzende Siegfried Boy auf der Generalversammlung die jüngste Lese mit Blick auf die Abhängigkeit von der Natur. Die hat uns dafür die vorangegangenen drei Jahr reichlich belohnt mit gutem Wein. Wichtig sei aber, dass wir die wesentlichen Lieferverträge erfüllen werden und somit auch im kommenden Jahr eine solide wirtschaftliche Grundlage haben.
|